Geld tanken…
…an Benzinbanken
Nachdem ich mich die letzte Zeit doch sehr mit den dunklen Seiten des Lebens beschäftigt habe, die geneigte Leserschaft wird sicherlich noch mit Schrecken an die beiden unglücklichen, um nicht sogar das unselige Wort unglückseligen in den wordgewandten Mund zu nehmen, Gestalten meiner Kurztrilogie Auszeit zurückdenken, muß ich mich jetzt wieder einmal den Freuden des Lebens zuwenden. Und welch größte Freude hat wohl der Mensch? Sozusagen die Freude schöner Freudefunken, der Superlativ jedes guten Freudianers, quasi der Götterfunken für Fortgeschrittene. Na, wer weiß es?
“Ja, Sie da in der zweiten Reihe! Was meinen Sie, was ist die allergrößte Freude, welche uns zuteil werden kann?” “Mmmmmh tssssss undddd mmmmh” “Wie bitte, ich habe Sie nicht verstanden?” ”Mmmhmm sllllln Ehhhh mmmh” “Bitte reden Sie etwas lauter. Und vor allem deutlicher. Man versteht kein Wort von dem, was Sie sagen.” “Also, für mich ist meine glückliche Ehe die größte Freude auf Erden!” “Wie bitte? Habe ich Sie richtig verstanden? Die Ehe? Mit der eigenen Frau? Die größte Freude? Auf Erden? Oh Mann, was ist mit Ihnen los? Setzen, ungenügend! Der nächste bitte! Ja, Sie, der Herr mit dem Damenbart.” ”Entschuldigung, ich bin kein Herr mit Damenbart, ich bin eine Dame mit Herrenbart.” “Ja, schon gut, also gnä´Frau, was ist die größte Freude, welch uns zuteil werden kann? Aber sagen Sie jetzt bitte nicht, ein Rasierapparat.” “Naja, also für mich, also jetzt ganz ehrlich, nicht daß Sie mich falsch verstehen, aber, also, ich denke, natürlich gilt das nur für mich, weil…” “O.k., vergessen Sie´s. Ich sag´s Ihnen, sonst sitzen wir noch morgen da! Also, aufgepasst! Die größte Freude ist die Werbung. Denn, und jetzt alle aufgepasst, durch die Werbung läßt sich heutzutage richtig Geld verdienen. Ich will es Ihnen erklären!”
Bevor ich nun fremde Lorbeeren auf falsche Königshäupter setze, wobei mich manche bereits als Sonnengott sehen, nicht Sonnenkönig, nein Sonnengott, Sie haben schon richtig gelesen, darf ich eines voranstellen. Die Idee für den folgenden Plan, der in meinen Augen weit effektiver ist als das Geld verdienen mit Bloggen, habe ich eigentlich zweierlei Dingen zu verdanken. Zum einen meinem über alles geliebten Alter ego, welches mich tagtäglich in den schwersten Stunden meines Da-, Hier-, Dort- und Gespaltenseins begleitet, also eigentlich immer und zweitens dem Artikel Oi OI OIL!, welchen ich allerdings ohne mein zweites Ich vollkommen selbständig verfasst habe und der mir geradezu meine geldgierigen BP-Augen geöffnet hat.
Und jetzt starte ich wieder einmal voll durch, setze an zu einem jener gefürchteten Endlosmonologe, welche manchen meiner Mitmenschen schon traumatische Erlebnisse beschert haben. Aber was habe ich schon viel zu verlieren? Ich erkläre Ihnen deshalb jetzt, wie Sie anhand der Werbung zum ultimativen Sieger in Sachen Geld werden. Wer jetzt genau aufpasst, wird die Chancen erkennen, welche sich Ihnen bei der Umsetzung meiner Idee bieten. Ein Potential sondergleichen, ein potenziertes Potential quasipraktisch. Wer sich zu mir ins virtuelle Auto setzt, ist sozusagen auf der Überholspur des Lebens gelandet, immer mit Vollgas geradeaus. Die Idee ist also folgende.
Bei uns im Österreich gibt es Werbung. “Aha“, werden Sie sich denken und die Fernbedienung gelangweilt in die Hand nehmen. Moment, nicht so schnell, bleiben Sie dran, denn es kommt noch besser. ” Hallo, Sie da in der vorletzten Reihe! Ich sehe alles, also hören Sie auf mit dem Gezappe. Und wenn Sie schon zappen müssen, dann zappeln Sie wenigstens nicht beim Zappen!” Also, wie gesagt, es gibt in Österreich Werbung und diese rieselt natürlich aus dem Fernseher. Und von dort rieselt sie dann in mein Hirn. Und jetzt kommt´s!
Es gibt eine ganz bestimmte Werbung, auf die ich abziele. Es geht hierbei um eine sensationelle Kooperation zwischen einer österreichischen Bankengruppe und einem österreichischen Erdöl- und Erdgaskonzern, welcher eines seiner Kerngeschäfte im Betreiben zahlloser Tankstellen sieht. Namen sind in diesem Falle uninteressant, sozusagen wie Schall und Rauch oder Benzin und Blei oder Vollgas und Verkehrstote oder Öl und Golf von Mexiko oder Öl und Katastrophe. Wichtig ist nur, daß Sie mir jetzt genauestens zuhören. Also, besagter Tankstellengroßgrundbesitzbetreibergeldeintreiber und die schon erwähnte Geldmelkscheinekuhgroßkapitalverzinsungsgesellschaft wohnen nun unter einem Dach, unter einem schönen großen windschiefen Tankstellengroßgrundbesitzbetreibergeldeintreiber-Geldmelkscheinekuhgroßkapitalverzinsungsgesellschafts-Dach. Und dort, ich will es der Einfachheit halber im folgenden “Das stille Örtchen” nennen, schließlich haben wir es ja mit einem lautlosen Platz der Bargeldbeschaffung zu tun, dort eröffnen sich Ihnen ungeahnte Möglichkeiten. Sie wissen ja gar nicht, was Sie in Zukunft für Geldquellen anzapfen können. Aber deshalb haben Sie mich. Ich möchte mich beileibe nicht rühmen, aber wenn Sie mich Robin Hood der Ölbarone und Geldhaie nennen wollen, fühle ich mich geschmeichelt und nehme natürlich gerne ein paar Prozente mehr von Ihnen, und sei es auch nur unter der Hand in die aufgehaltene Hand.
Wie schon erwähnt, die Kooperation der beiden besteht darin, daß Sie beim Tanken gleich die Banken haben. Soll heißen, Sie gehen oder besser gesagt Sie fahren zur Tankstelle ums Eck, sagen wir einmal, um sich Zigaretten zu kaufen, schließlich muß die Raucherlunge geschont und das Auto bewegt werden. Alles andere würde keinen Sinn machen. Wer ist schon so blöd, in Wien sagen wir “deppert”, und würde sein Auto schonen und die Raucherlunge freiwillig bewegen. Während Sie also Zigaretten kaufen und nebenbei Ihr Auto mit dem teuren Sprit auffüllen, gehen Sie einfach kurz ums Eck, holen sich Ihr Geld vom Bankomaten und tragen dieses dann zum freundlichen Zapfsäulenmeister, der hier allerdings ein sehr zwielichter Typ weiblichen oder männlichen Geschlechts sein muß. Denn einerseits handelt es sich um eine Person, welche zum einen Benzinzapfsäulengroßmeister ist, aber ebenfalls die Funktion des Geldautomatenverwaltungsinspektors innehat. Ich hoffe, Sie folgen mir immer noch, doch in Österreich muß ich auf die korrekte Titelwahl bestehen, denn nirgends gibt es so viele Titel wie bei uns. Übrigens, ein kleiner Tipp: Wer bei uns keinen Titel hat, der existiert nicht. Ohne einen Hofrat oder zumindest Oberamtsinspektor brauchen Sie erst gar keinen Wohnsitz in Österreich beantragen. Geburtsurkunde? Ohne Frau Doktor und Herr Kommerzialrat nehmen Sie am besten Ihr Feuerzeug, rauchen die letzte Zigarette von der Tankstelle nebenan und verbrennen Sie jenes Zeugnis Ihres unwürdigen titellosen Da-, Hier-, Dort- und Gespaltenseins. Wollen Sie also unser schönes Land der Cordoba-Vergangenheitsschwelger besuchen, Sie wissen schon, das waren noch fußballerische Gustostückerln, damals, als eine ganze Nation “narrisch” wurde wegen eines mehr geschossenen Tores gegen Deutschland, legen Sie sich einen Titel zu. Und sei es nur, daß Sie sich statt Tamara Schmid oder Justin Müller in Tamara Doktor bzw. Justin Hofrat umbenennen. Die ganze österreichische Welt wird Ihnen die größtmögliche Wertschätzung entgegenbringen, wenn wir Sie mit Frau Doktor und Herr Hofrat ansprechen dürfen. Ich möchte Ihnen jetzt nicht zuviel versprechen, aber möglicherweise werden wir Ihnen sogar zu Füssen liegen. Kommt allerdings immer auf unsere Tagesverfassung an. Wenn die Kreuzschmerzen unerträglich sind oder eine Oberlandesüberdrüberombudsfrau bzw. ein Ministerialbundeslandesbezirksvorzurücksteher sich unglücklicherweise in Ihrer Nähe aufhalten, werden wir es bei einem angedeuteten Bückling belassen und unsere Weichteile lieber devot der Alphafrau und dem Betamännchen hinstrecken. So, ich sehe schon, ich bin wieder einmal völlig vom Weg abgekommen vor lauter Wiener Hofräten und Hofratten.
”Tank bei der Bank” lautet das Motto. So, aber jetzt komme ich und meine grandiose Idee ins Spiel. Was wäre, wenn Sie den Spieß einfach umdrehen? Meine Idee ist die folgende. Eines vorab: Wer sich nun nicht vollkommen in die Illegalität begeben möchte, hört jetzt besser auf, weiter zu lesen. Denn alles, was nun geschrieben steht, ist so streng geheim und abseits der Gesetzteskonformität, daß es nur für jene Menschen gedacht ist, welche sich zum schändlichsten hartgesottensten skrupellosesten verkommensten Verbrecher berufen fühlen. Nein, Sie sollen sich nicht für einen Managerposten bei der Bank bewerben, es kommt noch wesentlich schlimmer. Ich sehe schon, die Reihen lichten sich. Ja, liebe Leser, das Leben schenkt einem auch überhaupt nichts. Also, gehen Sie bitte, mit Ihnen kann ich sowieso nichts anfangen. So, das heißt, es bleiben nur noch Sie und ich übrig! Nun gut, dann ziehen wir das Ding eben zu zweit durch, brauchen wir nicht viel zu teilen. Also, kommen Sie ganz nah zu mir, damit ich nicht so laut schreiben muß. Noch näher, es braucht keiner wissen, was ich Ihnen jetzt schreibe. Ja, gottverdammt, jetzt kommen Sie endlich zum Bildschirm, je leiser wir miteinander schreiben, desto weniger schauen zu. So ist es gut! Sie müssen sich eines merken: Nur wer schreibt, der bleibt!
Was brauchen wir beiden Hübschen und zu allen nur erdenklichen und unbedenklichen Schandtaten vordiplomierten Verbrecher? Zuallererst einmal ein Auto. Und je weniger im Tank ist, desto besser. Wir fahren also ganz gemächlich zu jener in der Werbung erwähnten Tankstelle, welche mit der ebenfalls in der Werbung genannten Bank kooperiert. Dort angekommen, steigen wir aus und sondieren. Ja, ganz richtig: Wir sondieren! Hört sich mächtig wichtig an, dieses Sondieren! Wir sondieren erst einmal die Lage. Wer wie ich sämtliche Agentenfilme und die Elf, Zwölf, Dreizehn und ich weiß nicht wieviele Helden aus dem Ozean der Hollywoodverbrechen gesehen hat, selbstverständlich in High Definition, 16:9, 32:18 und 48:27 gleichzeitig und die Sondierungsszenen natürlich in Superzeitlupe, wird wissen, daß Sondieren das A und O jedes erfolgreichen Verbrechens ist. Ein Verbrecher, der nicht zum Sondieren fähig ist, ist wie ein Hund, welcher sich nicht selbst die Eier leckt. Entschuldigen Sie diesen drastischen Vergleich, aber wir sind schließlich unter uns. Zumindest hoffe ich, daß uns keiner beim Schreiben abhört.
So, wenn wir also vom Sondieren genug haben, wobei ein erfolgreicher Verbrecher eigentlich niemals seine Sondiernase voll genug bekommen kann, eher würde er zugunsten des Sondierens auf das geplante Verbrechen verzichten, dann schreiten wir endlich zur Tat. Wir betreten gemeinsam die Bank-Tankstelle, das stille Örtchen, wie wir es bereits genannt haben. Sie sehen, das macht schon einen gewaltigen Wind, so ein Geheimcode. Wenn Ihnen stilles Örtchen zu langatmig ist, bei Ihrer Raucherlunge kein Wunder, dann können Sie natürlich auch WC sagen. Jeder Unkundige würde bei WC jetzt an ein stilles Örtchen denken, aber wir beiden langsam in die Illegalität Abwandernden wissen selbstverständlich, daß ein WC kein stilles Örtchen ist, sondern für Warm Cash (warmer Geldregen) steht.
Moment, jetzt habe ich Sie überlistet! Nicht wir beide betreten die Tank-Bank, sondern natürlich nur der Kopf des Verbrechersyndikats, also ich. Daß unser Syndikat derzeit nur aus zwei Synopsen besteht, oder wie das auch immer heißt, vielleicht heißen wir auch Syntaxen, was weiß ich, spielt keine entscheidende Rolle. Sie bleiben draußen und tanken den Wagen voll. Oder was glauben Sie, wie wir sonst hier wegkommen? Also, Abmarsch und volltanken! Danach kommen Sie rein, aber den Tankdeckel wieder draufschrauben nicht vergessen. Ich warte beim Bankomaten und tue so, als verstünde ich die Gebrauchsanweisung nicht. Fällt mir nicht schwer, ich bin es vom Möbel zusammenbauen so gewohnt. Aber Schwedisch war noch nie mein Ding, was soll ich machen. Also, Sie kommen rein und ich frage Sie: “Verzeihung, können Sie mir weiterhelfen?” Sie schauen mich nur mitleidig an und gehen einfach weiter. Denken Sie doch daran, wie Ihre Frau Sie ansieht, wenn Sie nach vollzogenem Liebesakt sagen: “Und, wie war ich?” Na sehen Sie, der Blick ist geradezu perfekt. “Wie bitte, Sie denken lieber daran, was meine Frau über mich nach dem gemeinsamen Liebesspiel sagt? Aber hallo!”
Also, Sie gehen an mir vorbei zum Tankstellenüberwachungszahlmeister weiblicher oder männlicher Form und dann sagen Sie mit der männlichsten Stimme, die Sie aus den Tiefen Ihres Stimmbändersarkophags hervorzaubern können: “Hände hoch, dies ist ein Tankstellen-Bankstellen-Überfall! Geld her!”
Danach hängen wir den Bankomaten an unser vollgetanktes Auto und ab geht´s Richtung Südamerika. “He, wo wollen Sie hin? Wie bitte, so ein Scheiß-Plan? Was bitte, das funktioniert nie! Kommen Sie zurück! Hierher, hab ich gesagt! Wissen Sie was, dann zieh ich´s alleine durch. Aber ich brauch Ihr Auto. Und vielleicht ein langes Seil. Ach ja, und den George Clooney und den Brat Pitt. Und natürlich die Julia Roberts. Und dann noch irgendwas gegen meine Flugangst. Und wie geht der Tank überhaupt auf? Und was muß ich tanken? Und andere Schuhe, weil mit diesen kann ich nicht fahren. Und meine Brille, weil ich bin nachtblind.

