Freie Zeit, freie Meinung, freie Gedanken

20.7.2010

Der Apfelbaum, treuer …

Abgelegt unter: Zeit-Geschichten — Paul Boegle @ 04:05


… Wegbegleiter der Menschheit

Was wäre ich, was wären Sie, was wären wir alle gemeinsam ohne unseren treuesten Wegbegleiter, den vielgerühmten und doch so selten beachteten Apfelbaum? Nichts, rein gar nichts! Sie widersprechen mir? Der Hund ist der treueste Wegbegleiter des Menschen? Mitnichten, verehrtes Publikum. Auch der Hund ist ohne den Apfelbaum auf vollkommen verlorenem Posten. Wo sollte ein Hund bitte seine Markierung setzen, wenn nicht unter einem in voller Apfelblüte stehenden Apfelbaum? Er soll es gefälligst dort machen, wo alle Hunde ihr Haxerl heben, an der Hausecke vom Nachbarn und damit basta. Gut, soll so sein, aber für mich ist der Apfelbaum die Nummer 1, wenn es um Treue geht.

Fangen wir doch einmal ganz von vorne an, also in diesem Fall ganz hinten, nämlich am Anbeginn unserer Zeit. Nein, eigentlich weit nach dem Urknall, eher schon 4,5 Millarden Jahre und ein paar mehr oder weniger zerquetschte Millionen danach. Aber zumindest für die gläubigen Menschen unter uns eben ganz vorne, also ganz hinten. Soll heißen, bei diesen beiden Paradiesvögeln, welchen wir die Namen Adam und Eva gaben. Zumindest steht es so im Buch Genesis. Ein kleiner Tipp am Rande: Wenn Sie sich für die berühmte Gutenberg-Bibel interessieren und welcher literarisch zu begeisternde Mensch macht dies nicht, das einzige (von insgesamt vier komplett erhaltenen Exemplaren) in Deutschland befindliche Exponat an der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen wurde nun digital aufbereitet und jede einzelne der 1282 Seiten dieser Gutenberg-Bibel kann im Internet unter “Das Projekt Gutenberg Digital“ bewundert und eingesehen werden. Aber Gutenberg hin und Bibel her, wir wollten uns eigentlich mit unseren Ur-Großeltern der Keine-Ahnung-wievielten-Generation befassen, zumindest wird uns dies von verschiedensten Glaubensgemeinschaften suggeriert.

Als Gentleman der alten Schule sage ich natürlich Eva und Adam, erst die Dame, dann der Herr, wie ich es von meinen unmittelbaren Ahnen oft genug zu hören bekam. Also, Eva und Adam sitzen wie jeden Tag im Paradies, langweilen sich ungeheuerlich und machen das, was auch ich am besten kann: Nichts! So gesehen dürfte ich tatsächlich in direkter Linie von den Beiden abstammen, meine Hochachtung dem Buch Genesis. Nun gut, Frau und Mann der ersten Stunde lassen sich die ewige Sonne auf den nackten Bauch brennen, naschen zwischendurch von Kirschen, Birnen, Kiwi und Zuckermelonen, der Saft rinnt ihnen an ihren Mundwinkeln zäh hinunter, tropft auf die gebräunte Haut und trocknet dort unangenehm klebrig auf der samtenen Haut von Eva und der tierisch behaarten Brust von Adam. Alles schön und gut, wäre da nicht die Schlange, diese falsche Schlange. Dieses Kriechtier fadisiert sich in gleicher Weise wie Eva und Adam. Übrigens, wussten Sie, dass Adam aus dem Hebräischen kommt und einerseits “Mensch” als auch “Der von der Erde Genommene” bedeutet? Der von der Erde Genommene. Hört sich für mich sehr unglücklich an. Manche gehen sogar so weit und übersetzen Adam mit “Mensch aus roter Erde”.

Versetzen Sie sich doch einmal in die Situation von damals. Sie sind Adam, egal, ob Sie nun weiblichen oder männlichen Geschlechts sind. Also, im Moment sind Sie weder Adam noch sonst jemand. Sie liegen als ausgedörrtes Stück Lehm irgendwo in Afrika. Afrika deshalb, weil ich diesen Kontinent als Wiege der Menschheit bestimme. Mache ich ganz einfach so, ohne weiter nachzudenken. So, Sie liegen also irgendwo in Afrika, natürlich können Sie auch Mallorca oder Ibiza wählen, liegt sowieso gleich ums Eck die dortigen Urlauber am Strand schauen in etwa so aus wie der Klumpen Lehm, aus welchem Sie gleich erschaffen werden. Verstandesmäßig will ich hierbei den Lehmbatzen allerdings nicht beleidigen, schließlich handelt es sich um Ihr zukünftiges Ich, sozusagen um Ihr Prä-Sie. Schade übrigens, dass sich Präsident nicht Präsiedent schreibt, sonst könnten wir jetzt ein wunderbares Wortspiel auf Ihre Kosten starten. Sie wissen schon, prä für vor, Sie für Sie und dent für Zahn. Aber lassen wir das, sonst sitzen wir morgen noch hier und Gott hat Sie immer noch nicht aus Afrikas Erde erschaffen.

Machen wir es kurz! Von oben greifen also plötzlich zwei große Hände nach Ihnen, nicht wortwörtlich nach Ihnen, sondern eher nach Ihrem zukünftigen Ihnen und beginnen, im Ackerboden zu wühlen. Warum eigentlich von oben? Na, ganz einfach, das unten ist schon besetzt mit der Konkurrenz und will einfach nur seine Ruhe haben. Warum “seine”, warum nicht “ihre” Ruhe? Gute Frage. Aber wenn ich schreibe, dass die da unten ihre Ruhe haben will, wirft man mir wieder Frauenfeindlichkeit vor. Also soll eben er seine Ruhe haben, zum Teufel noch mal! Gut, weiter im Text!

Zwei riesige Hände beginnen also, aus einem Stückchen Dreck irgendetwas zu formen. Sie kneteten und modellierten aus dem Dreckhaufen Adam, den ersten Menschen. Und weil selten ein Misthaufen ohne einen zweiten anzutreffen ist, also ein Miststück ohne ein anderes nicht lebensfähig ist, der allmächtige Kneter wusste dies natürlich, entnahm er dem einen Dreckstück etwas Abfall und formte ein zweites Dreckstück. Und siehe da: Die ersten beiden Menschen bevölkerten diese wunderschöne Erde! Und als der von unten die ganze Sauerei sah, welche der von oben mit einem Haufen Dreck angerichtet hatte, beschloß er nun endgültig, unten zu bleiben und im Fegefeuer der Verdammnis Suizid zu begehen. Vorher befahl er allerdings noch seinem Stellvertreter, welcher seine Zelte nahe Roms aufgeschlagen hatte, vom Baum der Erkenntnis zu naschen. Der aber, ja, die Geschichte ist ziemlich verworren, wollte jedoch aufgrund einer latent-lasziven Ministranten-Un-Unverträglichkeit, also doppelte Verneinung bedeutet Bejahung, seinen Hirtenstab nicht aus der Hand geben und so schickte er in Ermangelung anderer Alternativen seinen besten Kriecher.

Den Rest kennen Sie! Kriecher trifft Dreckstück. Dreckstück delegiert an anderes Dreckstück. Anderes Dreckstück nascht die verbotene Frucht. Kriecher verkriecht sich. Dreckstück spaziert Hand in Hand mit anderem Dreckstück aus dem Paradies. Zurück bleibt der Apfelbaum. Wobei der eigentlich auch kein richtiger Apfelbaum ist, sondern kann genauso ein Holunderstrauch oder von mir aus auch eine Sibirische Zirbelkiefer sein, Hauptsache “malum” ist der Baum, Strauch oder wenn Sie einen Bodendecker wollen, bitte, warum denn nicht. Warum “malum”? Nun, wie der tote Lateiner weiß, bedeutet “malum” zum einen eben “Apfelbaum”, aber andererseits auch “böse”. Ein einziger unbedachter Übersetzungsfehler und die ganze Menschheit glaubt, Eva und Adam wurden wegen eines Apfelbaumes aus dem Garten Eden delogiert. Und in Wahrheit war es so eine kleine hinterlistige Schleifenblume, nehmen Sie einen Gemüsespargel, die sind genauso verkommen, welche die Menschheit aus ihrem Paradies katapultiert hat, genau in die vatikanischen Arme hinein. Nein, nicht Armee, sondern nur Arme, ohne das zweite “e”, sonst stünden wir vor der Schweizer Garde. Und wer will sich schon mit blau-orange gestreiften Herren einlassen, ohne einen bestimmten Grund.  

Stellen Sie sich vor, Wilhelm Tell hätte das gewusst. Also das mit der ganzen Freiheit, welche wir fälschlicherweise einem Apfel zu verdanken haben. Ich wette, Schiller hätte sämtliche hohlen Gassen in und um Küssnacht verbarrikadiert und Geßler wäre nicht von einem Pfeil durchbohrt worden, sondern von einer Hellebarde der Schweizer Garde erschlagen worden. Aber so hat Tell seinem Sohn den Apfel vom Schädel geschossen, die Eidgenossen, also nicht die Schweizer im Dienste des Vatikans, haben die Zwingburgen samt menschlichem Inventar geschliffen und dahingemeuchelt und alle lebten ab diesem Zeitpunkt in Freiheit.

Und der Apfel. Lebt sein Dasein weiter, mitten unter uns, unerkannt und unbeachtet fristet er sein kärgliches Leben. Und das alles wegen zweier kleiner Miststücke, welche vor lauter Wissensdurst mein gemütliches Paradies einer falschen Schlange zum Fraß vorwarfen. Und was macht der da unten? Hat es sich doch anders überlegt. Still und heimlich hat er sein Fegefeuer zugeschüttet und hat sich eine Finca auf Mallorca gekauft. Und dort pflanzt er einen Apfelbaum nach dem anderen. Und jeden Tag kommen Menschen vorbei und schlagen sich die Bäuche voll, solange, bis ihnen vor lauter Freiheit schlecht wird. Und in Afrika? Dort ist den Menschen ebenfalls schlecht, aber vor lauter Hunger. Die Fussball-Weltmeisterschaft ist vorbei, also alles zurück nach Europa. Und den Pokal haben wir auch mitgenommen. Sieht übrigens aus wie ein goldener Apfel. Und die modernen Hesperiden namens Wohlstand hüten ihn, unterstützt vom hundertköpfigen Drachen Ladon. Nein, nicht Ladon, sondern Mensch der Ersten Welt.

9.7.2010

Siebert Luftfahrtbedarf - und die Zeit vergeht (wie) im Flug

Abgelegt unter: Zeit ist Geld — Paul Boegle @ 00:26

Siebert Luftfahrtbedarf - seit 50 Jahren Markenprodukte für Flieger

Wie schnell doch die Zeit vergeht. Habe ich gestern noch im Element Wasser zusammen mit Paul, der fussballbegeisterten Krake geplanscht, erhebe ich mich heute schon wieder in die Lüfte, um dem gleichnamigen Element Luft zu huldigen. Allerdings, liebe Leserschaft, weniger um Sie zu unterhalten, sondern vielmehr, um meiner Intention, dem Geld verdienen mit Bloggen, wieder einmal Genüge zu tun und dementsprechend meiner monetären Ader freien Lauf zu lassen. 

Liebe LeserInnen, um Missverständnissen vorzubeugen: Dies ist eine Werbeanzeige und richtet sich hauptsächlich an (vogel)freie Menschen, welche dem Sprichwort “Die Zeit vergeht wie im Flug” seine ursprüngliche Bedeutung abgewinnen. Oder anders ausgedrückt: Siebert Luftfahrtbedarf ist einerseits für jene Menschen gedacht, welche aus ihrem ursprünglichen Hobby, dem Fliegen, einen Beruf gemacht haben oder andererseits neben ihrem Beruf ihre Freizeit dem Fliegen widmen.

Die Zeit heilt alle Wunden. Alle? Nein, der Traum vom Fliegen wird für den Menschen immer mit gewissen Beschränkungen verbunden bleiben. Doch Restriktionen und Grenzen können und wollen überwunden werden. Schon Reinhard Mey hat uns dies mit seinem wunderschönen Song “Über den Wolken” vermittelt. 

Siebert Luftfahrtbedarf kann Ihnen den Traum vom Fliegen sicherlich nicht erfüllen, doch 50 Jahre Erfahrung und die Mitgliedschaft im BBAL, dem Bundesverband der Betriebe der Allgemeinen Luftfahrt e.V. sprechen für sich. Egal ob Berufspilot oder ambitionierter und enthusiastischer Freizeit-Flieger: Siebert Luftfahrtbedarf hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf Ihre Wünsche und Bedürfnisse förmlich zu fliegen, und dies von Montag bis Samstag, sozusagen im Langstreckenflug, nein sogar fast im Nonstop-Flug.

Siebert Luftfahrtbedarf


Erfolgreiches und sicheres Fliegen bedarf vieler Hilfsmittel. Seien es nun Flugbücher, Handbücher, Fachliteratur zum Thema Fliegen, Lehrbücher über das Fliegen oder ICAO Luftfahrtkarten, Wandkarten und Streckenkarten, der führende Anbieter von Luftfahrtzubehör in Deutschland lässt Sie nicht auf dem Boden zurück. Und damit Sie die Flugzeit immer im Blick haben, denn wie bereits geschrieben, oftmals vergeht die Zeit wie im Flug, steht Ihnen Siebert Luftfahrtbedarf mit Rat, Tat und besonders der richtigen Pilotenausrüstung hilfreich zur Seite. Sie suchen Navigationsgeräte oder Pilotenkoffer, Pilotentaschen und Flight cases? Sie benötigen Fliegerbrillen oder Sonnenbrillen für Piloten? Sie hören die Sekunden ticken, doch Ihnen fehlt der entsprechende Chronograph respektive Uhr? Sie wissen ganz genau, dass ein richtiges Flieger-As ohne kompetentes Bodenpersonal und die entsprechende Flugzeugausrüstung und, nicht zu vergessen, die lebensnotwendige Flugplatzausrüstung völlig in der Luft hängt?
Diese und viele andere Wünsche erfüllt Ihnen der führende Anbieter für Luftfahrtbedarf. Siebert Luftfahrtbedarf, ein Name, viele Piloten!

Siebert Luftfahrtbedarf


   

8.7.2010

Paul, die Krake: Zum Siegen verdammt!

Abgelegt unter: Zeit ist Geld — Paul Boegle @ 01:18


Der Erfolgsdruck eines unbeteiligten Oktopus namens Paul

Ich bin ja immer auf der Suche nach lohnenden und lohnenswerten Objekten. Denn wie viele meiner treuen LeserInnen bereits wissen, bin ich sozusagen der Kraken-Paul der Hochfinanz. Denken Sie nur an meinen legendären Artikel Geld tanken an Benzinbanken oder an die zum heutigen Thema zugegebenermaßen völlig unpassende Veröffentlichung Wer Zeit hat, möge mir etwas davon abgeben. Überall dort, wo Zeit und Geld in einem kausalen Zusammenhang stehen, schwimmt schon Kraken-Paul um den heissen Geld-Brei. Und der wird bekanntlich im Moment in Südafrika bei der gerade stattfindenden Fussball-Weltmeisterschaft angerührt.

Ich hoffe, Ihnen sagt Paul, die Krake etwas? Es handelt sich um diesen possierlichen Oktopus, welcher scheinbar schon seit Jahren, möglicherweise auch schon seit Jahrzehnten oder vielleicht auch seit der ersten Fussball-Weltmeisterschaft immer den Sieger von Fussballspielen mit deutscher Beteiligung voraussagt. Und man höre und staune: Erst ein einziges Mal hat sich Paul, die Krake, bisher geirrt. Sonst immer richtig getippt, immer den richtigen Futternapf mit der entsprechenden Landesflagge angeschwommen, immer vom Futter des Gewinners genascht. Bis auf dieses eine Mal eben. War auch ein Fussballspiel zwischen Deutschland und Spanien, 2008 Spanien gegen Deutschland bei der EM in unserem schönen Land, gemeinsam mit der Schweiz haben wir damals diesen ganzen Zirkus veranstaltet. Und was macht dieser Paul bitteschön? Setzt sich doch tatsächlich auf den deutschen Futternapf. Macht es sich gemütlich auf Schwarz-Rot-Gold und lässt Rot-Gelb-Rot einfach links liegen.

Mit all seinen acht oktopussierlichen Armen greift er nach ganz Deutschland, umarmt sozusagen als Orakel des runden Leders die fussballverrückte Welt und gibt der Hoffnung nach Geld, Reichtum, Ehre, Ruhm und einem grundlosen weiteren Vollrausch eine vollkommen ungerechtfertigte Nahrung. Nährt die Hoffnungen unseres grossen Nachbarn und frisst sich durch das Futter der zukünftigen Verlierer. Und die Spanier? Sitzen vollkommen unbeteiligt im Wasserbassin, schauen dem tierischen Irrläufer seelenruhig zu, plätschern mit ihren Hörnern im lauwarmen Wasser und entscheiden das Match dann zu ihren Gunsten.  

So war das damals, 2008, als Paul, die Krake sich ein einziges Mal in seinem Kraken-Leben irrte. Und gestern, zwei Jahre später, am 07.07.2010? Wieder heißt die Begegnung Deutschland gegen Spanien. Wieder ein Halbfinale in einem wichtigen Turnier, dieses Mal die Fussball-Weltmeisterschaft in Südafrika. Und was macht Paul, die Krake? Hat sich noch kein einziges Mal bei dieser Fussball-WM geirrt, lag immer goldrichtig, griff nie daneben. Hat sogar den Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen England prophezeit. Und das als englische Krake. Ja, Paul, die Krake ist eigentlich waschechter Engländer. Aber keine Spur von Nationalstolz oder Patriotismus. Paul tut das, was getan werden muss. Und wenn es sogar gegen die eigene Mannschaft geht.

Paul ist unbestechlich, Paul frisst nur Gewinner, Verlierer kommen ihm nicht auf den Tisch. Wenn schon satt werden, dann mit Anstand. Und ausserdem lebt es sich auf der Seite der Sieger wesentlich angenehmer als im Schatten der Verlierer.Und dann dieses! Deutschland gegen Spanien. Es geht um den so wichtigen Einzug ins Finale der Fussball-WM 2010. Und wieder wird Paul, die Krake, auf die fussballverrückte Menschheit losgelassen. Schwimmendes Orakel, achtarmiger Delphi-Nachfolger, lernbegieriger Prophet, geschickt von den Fussball-Göttern, erbarmungslos in den südlichsten Zipfel des afrikanischen Kontinents getreten. Und Paul greift nach den Fussballsternen. Deutschland siegt gegen Spanien, dank Paul, der Krake kann es nur einen Sieger geben und der muss - Spanien heißen. Zumindest wenn es nach Paul geht. Denn der läßt sich nicht auf dem Futter mit der schwarz-rot-goldenen Fahne nieder. Und Deutschland? Jubelt trotzdem. Einmal hat sich doch Paul doch schon geirrt, also muß er heute wieder falsch liegen. Ergo bedeutet dies: Wenn Paul falsch liegt, hatte er trotzdem alles richtig gemacht. Der Fussball-Glücksgott Paul hat wieder zugeschlagen, hat die Glücksgöttin Fortuna in ihre fussballerischen Schranken verwiesen.  

Nun, was dann kam, brauche ich Ihnen nicht zu sagen. Trotz oder gerade wegen des fehlbaren unfehlbaren Pauls siegte Spanien. 1:0 gewannen die Iberer gegen die Teutonen. Paul wurde vernichtend geschlagen, vom Stier sozusagen gnadenlos auf die Hörner genommen. Jetzt hat Paul, die Krake, sich bereits zum zweiten Mal geirrt, obwohl er doch recht behalten hat. Und das immer bei wichtigen Spielen. Und wieder gegen Spanien. In mir keimt schön langsam ein furchtbarer Verdacht auf. Und das als Österreicher, der eigentlich beim Thema Fussball nicht einmal mitreden dürfte. Ich glaube, Paul ist ganz einfach bestechlich. Paul lebt zwar in Deutschland, hat die englische Staatsbürgerschaft, aber in Wirklichkeit ist Paul, die Krake, ein verkappter Spanier. Paul ist kein Cocker Spaniel, aber mit fast an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Kraken Spanier. Paul, die Krake, segelt unter falscher Flagge. Bei Paul handelt es sich um ein iberisches U-Boot, welches mit dem aufgemalten Union Jack in deutschen Gewässern Jagd auf brasilianische, argentinische und sonstige Torpedoboote macht.

Und deshalb plädiere ich als Österreicher dafür, dass unser Land beim nächsten Fussball-Großereignis mitspielen darf. Und wenn wir die Qualifikation nicht schaffen, was wir natürlich nicht tun werden, dann werden wir England, Spanien und natürlich Deutschland den Krieg erklären, werden Paul, die Krake kidnappen und dann werden wir schon sehen, wer die nächsten Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und was weiss ich noch für Meisterschaften dominieren wird. Dann ist Schluß mit Fussballspielen. Dann setzen wir Paul vor die Wahl: Ein Futtertopf links mit der rot-weiß-roten Flagge und ein kleines Schälchen rechts, prall gefüllt mit Leckereien und ebenfalls mit der rot-weiß-roten Fahne oben drauf. Und wehe, Paul setzt sich zwischen die Futtertöpfe. Dann verkaufen wir unser Paulchen, ja UNSER Paulchen, an den Meistbietenden.

Moment, jetzt haben wir ein kleines Problem. Wenn ich richtig zurückrechne, hat Paul mit seinem Kraken-Orakel-Dasein oder kurz gesagt seiner Krakelei bereits im Jahre 2008 begonnen. Das heißt also vor zwei Jahren. Und die durchschnittliche Lebenserwartung solch eines Kraken-Kapazunders liegt bei etwa drei Jahren. Dies würde ja bedeuten, dass Paul, die Krake, die nächste Fussball-Weltmeisterschaft gar nicht mehr oraklen kann. Ja, nicht einmal für die nächste Fussball-Europameisterschaft reichen seine Oktopus-Weitsichtigkeiten!

Dann müssen wir doch zu Plan B greifen. Der lautet: Österreich lernt Fussball spielen! Aber ich sage Ihnen jetzt etwas, ganz im Vertrauen. Eher wird Paul, die Krake, 150 Jahre alt, ehe dieses passieren wird. Und wenn Paul so alt wird, dann hat sich sowieso die ganze Fussball-Expertenwelt geirrt, nicht nur Paul. Denn dann haben wir es nicht mit einer Krake zu tun, sondern mit einer Galapagos-Riesenschildkröte. Und gesetzt den Fall, Paul ist ein Männchen, dann wiegt er um die 400 Kilogramm.

Also, ganz ehrlich, liebe LeserInnen, wollen Sie sich von einer vom Aussterben bedrohten und ohne Zukunftsperspektiven dahinkriechenden dahinvegetierenden übergewichtigen Spezies die Fussball-Zukunft vorhersagen lassen? Ich nicht!

Übrigens, wer Fussball-Weltmeister wird, stand bereits lange vor Beginn dieser sogenannten Spiele fest. Aber verraten darf ich es Ihnen leider nicht. Ich habe es Paul, der Krake, versprechen müssen. Und zum Dank dafür schiebt er mir immer klammheimlich, sobald alle Scheinwerfer erloschen sind, den Futtertopf der Verlierer rüber. Und dieser Inhalt schmeckt mindestens genauso gut. Auch wenn ab und zu der bittere Nachgeschmack des Verlierens in einer Welt voller eitler Sieger und zum Gewinnen Verdammter störend ist.

Und für alle, welche nun bis zum bitteren Ende durchgehalten haben, gibt es vom Satiremagazin Titanic das WM-Orakel, so wie es (fast) wirklich war. Viel Vergnügen wünscht Ihnen Paul, das zweiarmige, zweibeinige, zweiäugige und vor allem zwiespältige Anti-Fussball-Orakel.

        

2.7.2010

7. Teil: Das Gerücht bei Vergil

Abgelegt unter: Zeit-los — Paul Boegle @ 01:21


Der 6. Teil dieser kleinen Reihe über die Welt der Gerüchte, vor allem jedoch jene neue virtuelle Welt Internet, welche vollgepflastert ist mit den listigen wordgewandten Stolpersteinen namens Gerüchte, teils absurd absonderlich, teils aber auch bedenklich realitätsnah, trug den Titel Homo cyberspace - die Gefahr Internet. Dürfen wir dementsprechend den Rückschluß ziehen, dass es vor der Erfindung und vor allem dieser intensiv-exzessiven Nutzung Internet durch den Homo sapiens eine Welt der Gerüchte niemals gab. Dürfen wir davon ausgehen, die Welt jenseits dieser elektronischen Schranke bestand einerseits aus Wahrheit und andererseits aus deren Antipode, der Lüge. Und dazwischen? Eine Welt vollkommen ohne Grauzonen, hier die Farbe Weiß als Symbol für die gute, alte, redliche Wahrheit, dort im Finsteren lauernd und bis zur Unkenntlichkeit schwarz die Lüge, hässlich und verdorben an der Seele des Menschen nagend. Hat sich der Mensch aufgemacht, eine neue Entwicklungsstufe zu erklimmen und endgültig eben jenen Homo sapiens hinter sich zu lassen, ihn zur Strecke zu bringen und durch den über ihm thronenden Homo cyberspace abzulösen. Ist dieser Homo cyberspace dieser von Nietzsche so sehnsüchtig proklamierte Übermensch, welcher nun endgültig die Brücke geschlagen hat zwischen Mensch und Tier. Sind die Gerüchte jenes Machtinstrument, welches ihm als das bisher vergebens gesuchte Seil an und in die Hand gegeben wurde, um sich endgültig auf die andere Seite des Abgrundes aufzumachen und den Menschen der Neuzeit hinter sich zu lassen, um das bereits verloren geglaubte Paradies wiederzufinden, allerdings mit dem Unterschied, weiterhin vom Baum der Erkenntnis naschen zu dürfen und sich der Freiheit nicht wieder entledigen zu müssen.

Nein! Nein, nein, nein! Gerüchte sind sicherlich so alt wie die Menschheit. Auf ein paar Minuten oder Stunden soll es uns hierbei nicht ankommen.    

Schon Vergil hat sich in seinem Epos Aeneis, welches sich mit der mythologischen Gründung des Römischen Reiches beschäftigt, mit den Erscheinungsformen des Gerüchtes auseinandergesetzt. Vergil führt unter dem Begriff “Fama” das Wesen des Gerüchtes aus, eine Flamme aus Sage, unscheinbarem Gerede, übler Nachrede und unstillbarer Ruhmessucht. In seinem vierten Buch, in den Versen 173-194 führt Virgil dazu folgendes aus:

[…]Fama, behende von Schwung, wie sonst kein anderes Scheusal.
Rührigkeit mehrt ihr Gedeihn, und kräftiger wird sie im Fortgehn;
Anfangs klein und verzagt; bald hoch in die Lüfte sich hebend,
Tritt sie einher auf dem Boden und birgt in den Wolken die Scheitel.
[…]

Aufgenährt, an der Ferse geschwind’ und strebenden Flügeln.
Gräßliche Riesengestalt! soviel an dem Leibe der Federn,
So viel wachsame Augen – o Grau’n! – auch regen sich drunter
Zungen so viel, und Mäuler voll Schalls, und gerichtete Ohren.
Nachts durchfliegt sie die Schatten, im Mittel der Erd’ und des Himmels,

Zischend, und neiget den Blick niemals dem erlabenden Schlummer:
Tages hält sie die Hut, bald hoch auf dem Giebel des Daches,
Bald auf dem luftigen Turm und erschreckt volkwimmelnde Städte,
So auf Lug und Falsches erpicht, als Botin der Wahrheit.

(Quelle: Spiegel Online Projekt Gutenberg Vergil Aeneis Vierter Gesang)

Übertragen auf mein in die Internet-Gemeinde gestreutes Gerücht mit dem Titel “Extraterrestrisches Leben entdeckt” heißt dies nun was? Ich habe im wesentlichen nur aus die Geschichte gründlich gelesen, eine Eigenschaft, welche uns Menschen leider viel zu oft abhanden gekommen ist, mich selbstverständlich (leider viel zu oft) eingeschlossen. Aber zumindest in diesem Falle habe ich mir Vergil´s Aeneis doch etwas genauer angesehen, habe sozusagen zwischen den Zeilen, nein, habe ich nicht, da Vergil alles wunderbar offensichtlich präsentiert, habe also die Zeilen selbst gelesen. “Fama, behende von Schwung…” bedeutet nichts anderes, als daß ein erfolgreiches Gerücht von der extrem hohen Verbreitungsgeschwindigkeit lebt, es muß geradezu überkochen, überschäumen, brodeln, um sich gegenüber der vielfältigigen “Konkurrenz” anderer Gerüchte behaupten zu können. Und je mehr Menschen nun dieses Gerücht verbreiten, zu dessen Umlauf beitragen, “…Rührigkeit mehrt ihr Gedeihn, und kräftiger wird sie im Fortgehn;
Anfangs klein und verzagt; bald hoch in die Lüfte sich hebend
…”, je größer das Gerücht also seine Kreise zieht, desto glaubhafter wird es.

Ein erfolgreiches Gerücht ist wie ein Kieselstein, welcher in einen Fluss geworfen wird. Während der Stein selbst, also der Urheber, der Verursacher, der Initiator des Gerüchtes, in den Tiefen des Wassers rasend schnell versinkt, bilden sich anfangs enge kleine konzentrische Kreise um den Einschlagpunkt des Steines, welche aber bei entsprechend günstigem Wasserlauf immer größere Kreise ziehen, deren Mittelpunkt, das Zentrum des Gerüchtes, schließlich nicht mehr auszumachen und dementsprechend auch nicht mehr zurückzuverfolgen ist. Der Kieselstein bleibt sich seiner Funktion treu. Er verschwindet in den Tiefen, ohne Spuren zu hinterlassen, einzig sein Gerücht zieht einsam, aber diabolisch seine Kreise.
Was, wenn nicht das Internet, ist geeigneter für die Verbreitung eines Gerüchtes? Das Internet schläft niemals, das Internet kommt zu keiner Zeit zur Ruhe, das Internet kennt keine Grenzen, weder für Menschen noch für Information, wenn wir einmal von Staaten wie z.B. China, Eritrea oder Nordkorea absehen. “Nachts durchfliegt sie die Schatten, im Mittel der Erd’ und des Himmels, Zischend, und neiget den Blick niemals dem erlabenden Schlummer:…”.

Aber der Kerngedanke bei Virgil lautet “…So auf Lug und Falsches erpicht, als Botin der Wahrheit.,…” die wirklich beste Wirkung kann ein Gerücht erst dann entfalten, wenn aufgrund der verbreiteten Informationen sämtliche Interpretationen offen bleiben. Ein Gerücht muß grundsätzlich plausibel sein, es darf keine offensichtlichen Unwahrheiten beinhalten, die bereits im Vorhinein ausgeschlossen werden können. Ein Gerücht muß immer ambivalente Züge besitzen, es muß einerseits so glaubwürdig sein, daß die Widerlegung erschwert wird, aber andererseits darf es eben nicht berechenbar, ausrechenbar sein. Diese Unberechenbarkeit, dieses Jonglieren mit der Plausibilität, dieses Spiel mit den Möglichkeiten verwandelt dann den anfänglichen Zweifel “Möglich wäre es schon!” zum sicheren “Ja, das stimmt!”. Doch die wirkliche Gefährlichkeit für den Denunzierten ergibt sich erst aus der Reaktion des zu Unrecht Beschuldigten. Das Dementi wird unglaubhafter als das Gerücht selbst, erst nun beginnt das Gerücht jenes lähmende Gift zu entfalten, welches wahrscheinlich schon einmal jedem von uns injiziert wurde.
Macht geht fast immer mit Ohnmacht einher, wir haben es bereits oftmals in unserer langen Menschen(gerücht)heitsgeschichte erlebt. In diesem Sinne bleiben Sie mir vielleicht trotz alledem gewogen oder schreiben Sie dieses zumindest als Gerücht ins Internet. Über manche Gerüchte freue sogar ich mich.
Es grüßt Sie der Hexenküchengerüchteverbreiter Paul Bögle

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