Freie Zeit, freie Meinung, freie Gedanken

6.8.2010

Frei-Heit-Lich-Ter-Aus

Abgelegt unter: Zeit-Geschichten — Paul Boegle @ 00:54


oder das Millionengrab des Jörg Haider

Es war einmal ein Landeshauptmann. Für alle, welche nun ratlos vor sich hin starren und fieberhaft überlegen, was denn bitteschön ein “Landeshauptmann” ist, eine einfache Erklärung. Also, den sogenannten Landeshauptmann, das weibliche Pendant ist dementsprechend die Landeshauptfrau, nicht zu verwechseln mit der Hauptfrau der ägyptischen Pharaonen, gibt es in seiner heutigen Form hauptsächlich in Südtirol und natürlich bei uns. Wo bitte ist dieses “bei uns”?

“Bei uns” ist bei uns in Österreich. Wir sind stolze Besitzer, nein, falsch, wir besitzen natürlich nicht persönlich eine Landeshauptfrau oder eben den Landeshauptmann, sondern er besitzt uns. Auch wieder vollkommen falsch, natürlich besitzt hier weder Hauptfrau noch Hauptmann uns noch wir sie respektive ihn. Sie denken: Dieses heimtückische Bergvolk namens Österreicher hat jetzt also den Kommunismus hinterm siebten Berg eingeführt und kein Mensch jenseits der Alpen hat davon jemals etwas mitbekommen. Haben wir natürlich nicht, wir frönen genauso der freien Marktwirtschaft und huldigem dem Kapitalismus wie jedes fortschrittliche Land. Und Meinungsfreiheit wird bei uns noch groß geschrieben, also mit grossem “M”. Aber verwechseln Sie bitte das grosse “M” nicht mit dem grossen “K”, wie es etwa in Kärnten steckt, also nicht die Meinungsfreiheit, sondern das grosse “K”. Natürlich besitzt Kärnten ebenfalls die grosse Meinungsfreiheit, die steckt dort besonders tief drin. Was glauben Sie denn? Das mit der Verwechslung war so gedacht, dass Sie, aus welchen Gründen auch immer, plötzlich Keinungsfreiheit statt Meinungsfreiheit sagen, schreiben oder perfiderweise sogar denken.   

“Aha, sehr schön und beruhigend zu wissen”, werden Sie sich nun denken. Und weiter? Naja, was können wir bis hierher festhalten. Österreich ist ein kommunistisches Land innerhalb Kärntens, voller kapitalistischer Landeshauptfrauen und -männer, welches seine Meinungsfreiheit hinterm siebten Berg versteckt hat. Moment, ich glaube, ich habe da doch etwas durcheinandergebracht. Also, noch einmal von vorne. Der Kommunismus in Kärnten wurde vom dortigen Landeshauptmann, welcher die Meinungsfreiheit immer gross schrieb, wobei hinter den Alpen kein Mensch jemals etwas davon mitbekam, nach Südtirol eingeführt. Irgendwie passt das alles nicht zusammen. Fragen Sie mich jetzt nicht, wie ich mich aus diesem Dilemma wieder befreie, ich bin ziemlich ratlos. Deshalb bitte ich Sie: “Vergessen Sie das Ganze und betrachten Sie diesen Absatz als niemals geschrieben. Besser für uns, ganz besonders allerdings für mich. 

Überhaupt fällt mir ein, dass eigentlich in früheren Zeiten, Sie wissen schon, manche sprechen hierbei von den “guten, alten Zeiten”, man könnte, quasi metaphorisch geschrieben, sagen, bevor sich das herbstliche Laub braun färbte, sehr braun sogar, dass der Landeshauptmann, Verzeihung, liebe Leserinnen, aber damals gab es noch keine Landeshauptfrauen sogar der Vertreter des Kaisers war. Apropos Landeshauptfrau. Ein ganz heikles Thema bei uns, Sie wissen schon, bei uns ist bei uns in Österreich.

Angenommen, Sie stehen plötzlich einem weiblichen Landeshauptmann Aug in Aug gegenüber. Also sozusagen einer Landeshauptfrau, wenn man will. Wie würden Sie besagte Politikerin ansprechen? Knifflige Frage, ich weiss. Unser erster Landeshauptmann, der eigentlich eine Frau (Waltraud Klasnic) war und immer noch ist, wurde 1996 in der grünen Steiermark gewählt. Das mit dem grün nehmen Sie bitte nicht allzu ernst, Frau Landeshauptmann oder Frau Landeshauptfrau oder Frau Landeshauptmännin, tolles Wort, muss ich schon zugeben, Landeshauptmännin Klasnic, klingt sensationell, also um den roten Faden in der grünen Steiermark wieder aufzunehmen, Frau Klasnic ist schwarz. Sie können mir folgen?

Die erste Landeshauptfrau in der grünen Steiermark, übrigens direktes Nachbarbundesland von Kärnten, Sie wissen schon, dort, wo Meinungsfreiheit mit grossem “M” geschrieben wird, natürlich wie überall bei uns, Sie wissen schon, bei uns ist bei uns in Österreich. war und ist schwarz. Aber Frau Klasnic bevorzugte es, bis zu ihrer Ablösung 2005 durch den Landeshauptmann Franz Voves, seines Zeichens ein Mann und dementsprechend weitaus weniger kompliziert anzusprechen, ein Landeshauptmann bleibt ein solcher, entweder völlig harmlos als Frau Klasnic oder, schon etwas weniger harmlos, als Frau Landeshauptmann angesprochen zu werden. Ein ganz anderer Kaliber dagegen ist Gabriele Burgstaller, oder sollte ich Kaliberin sagen? Weiss ich jetzt nicht, alles weiter im Text. Frau Burgstaller, ihres Zeichens Landeshauptfrau von Salzburg seit 2004, fühlt sich wiederum geschmeichelt, wenn der Gesprächspartner, in diesem Fall also Sie, Frau Burgstaller als Landeshauptfrau ansprechen. Finde ich auch vollkommen in Ordnung, kompliziert wir es allerdings mit den im zweiten Glied, ob mit oder ohne Glied, sei einmal dahingestellt, stehenden Personen, gemeinhin als LandeshauptmannstellvertreterInnen bezeichnet. Obwohl, wir haben es eben festgestellt, Frau Burgstaller als Amtsinhaberin mit einem Titel der Landeshauptfrau angesprochen werden möchte und auch wird, heißen die Stellvertreter nicht LandeshauptfraustellvertreterInnen, was logisch wäre, sondern immer noch LandeshauptmannstellvertreterInnen, egal ob nun Eingliederfüßer oder Keingliederfüßer.

Ich muss Ihnen im Moment gestehen, dass ich mir meine Überschrift mit dem nichtssagenden Titel “Frei-Heit-Lich-Ter-Aus” besehe und mir der Titel im Moment nichts sagt, eigentlich ein schlechtes Zeichen. Ich habe mich so in Rage geschrieben, dass ich vor lauter Blau den Himmel nicht mehr sehe. Richtig, blau ist ein gutes Stichwort. Wir, besser gesagt oder noch besser geschrieben, ich, haben die politische Szene bei uns, Sie wissen schon, bei uns ist bei uns in Österreich, aus allen möglichen Blickwinkeln beleuchtet, haben die österreichischen Farben grün, rot und schwarz erwähnt, nein, nicht die österreichischen Farben rot-weiss-rot, sondern unsere politische Landeshauptfrau-Landschaft und natürlich auch Landeshauptmann-Landschaft. Und wen haben wir bei aller Euphorie vergessen? Vollkommen richtig, ich stimme Ihnen zu, die Farbe blau. Wobei ich manch blaue Lichtgestalt in unserem Lande schon beschrieben habe, vielleicht erinnert sich die eine oder der andere, egal ob Landeshauptfrau, Landeshauptmann, Frau von nebenan oder Mann von der Strasse, noch an meinen Artikel Barbara Rosenkranz wählt Blau-Pause? Nein, Sie erinnern sich nicht? Macht nichts, gehört sowieso der Vergangenheit an, wir sind schließlich Menschen mit Weitblick und die blicken stur geradeaus.

Also blau. Wissen Sie, dass mir dabei unwillkürlich das Sprichwort ”Du lügst das Blaue vom Himmel!” in den Sinn kommt. Fragen sie mich jetzt nicht, warum dieses und warum dieses justamente in diesem Augenblick. Ich habe keine Erklärung dafür. Für etwas anderes habe ich übrigens auch keine Erklärung. Da wird doch “unserem Jörgl”, Sie wissen schon, bei uns ist bei uns in Kärnten, Verzeihung, in Österreich natürlich, ich meine Jörg Haider, seines Zeichens ehemaliger Landeshauptmann von Kärnten und einstiger Vorsitzender der FPÖ und ehemals-einstiger Gründer des Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) und seit seinem Unfalltod am 11. Oktober 2008 Märtyrer einer ganzen Nation, zumindest sehen dies seine AnhängerInnen so, anlastet, er habe Schwarzgeldkonten besessen.

Ja, ist das denn die Möglichkeit? “Unser Jörgl” hatte schwarze Millionenkonten in Liechtenstein und der Schweiz? Darf das denn wahr sein? So ein auf-rechter Politiker wie es “unser Jörgl” war und dann hat er einfach vergessen, dieses Geld zu versteuern. Kann das denn die Möglichkeit sein? Nein, kann es natürlich nicht! Erstens kann “unser Jörgl” keine schwarzen Millionenkonten besessen haben, weder in Liechtenstein, in der Schweiz und schon gar nicht in Swarovski-Land. Ich glaube, jetzt habe ich mich schwer vertippt. Da sollte Swasi-Land stehen, ein kleiner Staat in Afrika, ziemlich weit von Libyen entfernt, aber vielleicht doch nicht weit genug, wie Insider und Globetrotter wissen. Warum ist dies schlichtweg ein Ding der Unmöglichkeit? Denken Sie logisch. Wie soll ein einstiger blauer Landesvater, ein Synonym für liebenden Landeshauptmann aus Kärnten, welcher irgendwann, genauer gesagt 2005, zum orangen Glauben konvertierte, mit den Schwarzen unter einer Decke stecken? Schwarzgeldkonten, ein unschönes Wort! Wenn schon, dann müsste da Blaugeldkonten stehen. Aber wer wird denn gleich das Blaue vom Himmel lügen, nur wegen so ein bisschen Farbenwechsel. Und wieviel bitte sind 45 Millionen Euro? Da bekomme ich nicht einmal einen halben Ronaldo dafür, der hat schließlich kolportierte 94 Millionen Euro gekostet. Die ganze Welt regt sich also im Endeffekt über einen halben Ronaldo auf.  

Ich für meinen Teil denke, da ist schon wieder eine Intrige im Gange. Der “arme Jörgl”, unser aller Jörgl wird der Steuerhinterziehung bezichtigt. Ich bin gespannt, wann die Gerüchte über seinen vermeintlich so rätselhaften Unfalltod wieder neu entflammen, um der ganzen Kausa den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ein Denkmal bröckelt, ein Denkmal namens Jörg Haider, aufgestellt auf 45 Millionen Euro. Oder sind es womöglich mehr?                     

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