Verdienter Jägermeister bei Hasenjagd erschossen
Letztes Halali für Jägermeister bei Jagd auf kapitalen Bock
Jägermeister Friedrich Freiherr von Frischgemuth zu Fickeberg ist tot! Der begeisterte Nimrod und versierte Hasentod wurde am letzten Sonntag während der Jagd auf einen kapitalen Bock, welchen ihm seine Jägermeister-Brüder von der Jagdinnung “Fröhliches Treiben” zu seinem 85. Geburtstag geschenkt hatten, hinterrücks von einer auf
Menschenjagd befindlichen Schar Feldhasen auf freiem Feld erschossen.
Friedrich “Fritz Flatterflinte” Freiherr von Frischgemuth zu Fickeberg dürfte auf der Stelle tot gewesen sein, wie Leichenbeschauer Baron Karl-Heinz von Dicke Lippe und Schaum Gebremst erleichtert feststellte. “Er musste Gott sei es gedankt nicht lange leiden. Eine Maschinengewehr-Salve dieser verdammten Brut hat ihn voll erwischt und buchstäblich aus seinen Jagdstiefeln geblasen. Dass ein Mensch soviele Einschüsse in Leber und Niere haben kann, ist schon verwunderlich. Fritz hat sogar Glück gehabt, dass die fortgeschrittene Leberzirrhose das meiste aufgefangen hat. Außerdem wusste ich gar nicht, dass er sowieso nur noch eine Niere hatte. Aber gut möglich, dass diese verdammten Karnickel ihm die andere rausgeschossen haben und die jetzt irgendwo dahinten im Gebüsch hängt. Diese gottverdammten Hasen haben unseren Fritz nicht nur über den Haufen geschossen, sondern mit ihren Kugeln richtiggehend aus der Tracht geprügelt.”
Während sich ein Jägermeister nach dem anderen einfindet und einen kleinen schweigenden Kreis um den in einer großen Blutlache liegenden Jagdkameraden bildet, werden Flachmänner herumgereicht, um den Anblick des toten Fleisches besser verkraften zu können. “Furchtbar” stöhnt ein untersetzter Mann um die 70, nachdem er einen herzhaften Schluck aus der dargebotenen silbern glänzenden Flasche genommen hat und sich gedankenverloren über die rote und fein geäderte Nase fährt. “Ausgerechnet der Fritz. Der war doch immer so friedlich und hat sogar den Wehrdienst verweigert. Der konnte keiner Fliege was zuleide tun. Wenn der geschossen hat, dann höchstens auf Hasen oder vielleicht einmal auf einen Menschen. Aber das ist sowieso schon lange her und zählt doch nicht mehr. Das darf doch nicht wahr sein. Heute nacht hab ich noch zu ihm gesagt, dass er heute sicher einen kapitalen Bock schießen wird. Aber dass er sich gleich selbst zum Bock macht, konnte ja niemand ahnen.” Wieder greift der Jägermeister zur Flasche und nimmt einen weiteren Schluck, bevor er den Flachmann an seinen schwankenden Nachbarn weiterreicht.
“Nein, zwei waren es. Das weiß ich genau!” Die Gruppe blickt den Sprecher, einen sonnengebräunten Mittsechziger mit Kinn- und dazu passendem Gamsbart, verständnislos an. Auf die fragenden Blicke fügt er erklärend hinzu: “Der Fritz hat zwei Menschen erschossen. Aber das ist ja jetzt wohl nicht so wichtig. Das ist doch jedem von uns schon ein- oder zweimal passiert. Lächerlich. Viel wichtiger ist, dass wir diese dreckige Hasenbande erwischen. Diese Mörderbande muss sterben. Das sind wir dem Fritz schuldig. Der kapitale Bock kann warten. Und den Fritz lassen wir solange hier liegen.” Entschlossen repetiert er sein Jagdgewehr, dreht sich langsam um und geht hocherhobenen Hauptes auf die nahe Birkenschonung zu. Aus dem hohen Gras zu seiner rechten Seite beobachten ihn drei Augenpaare und füllen mit ihren samtenen Pfoten langsam die leergeschossenen Magazine nach. Die Menschenjagd ist eröffnet.
“Freie Zeit“, der Blog für Angsthasen und Hasenfüße, warnt deshalb: Halten Sie sich in nächster Zeit von lichten bewaldeten Waldlichtungen und blickdichten Dickichten fern!

