Der Wolf und die sieben Geißlein-Geiseln
Mörderische Märchenstunde mit Onkel Paul
Es waren einmal sieben Geißlein und ein alter armer Wolf namens Wolf. Der rührende Entführer Willibald Wolf, der Erfinder des kettenbetriebene Wolfdreigangsees mit wasserdichter Gangschaltung und tropfender Zunge, dessen Lieblingsessen Wolfrahmschnitzel von seinem guten Geschmack zeugte und der zusammen mit seinem Bruder Wilhelm Wolf die Wohlfahrtsstiftung “Zur zweigeteilten Ziege” gegründet und danach zur Zufriedenheit aller wieder aufgelöst und die Ziegenfüße vom Rest der Wohlfahrt
ausgelöst hat, um zusammen mit Wilhelm die ausgelösten Erlösten unter einem Beet wildgewordener Lupinen, welches ein Grabstein mit den handgemalten Goldlettern “Fress In Peace: Hier fraß Lupus” zierte, zu begraben. Was jetzt leider dazu führen wird, dass Willibald bald im Verlaufe dieses Märchens vollkommen durchdrehen wird. Grausame Vorstellung? Leider, aber wir sind schließlich nicht im wahren Leben, wo Friede, Freude, Eierkuchen, Eiersuchen, Eierkratzen unseren beschaulichen Alltag bestimmen.
Willibald Wolf war und ist aber auch laut “Freie Zeit“, dem Blog für Stockholm Syndrom und Schwedenbomben, ein einsamer Wolf, denn Wilhelm Wolf, sein Bruder aus besseren Tagen, suchte das Weite und fand es unter der Erde, wo er bis heute noch liegt. Willibald Wolf, der niemals in seinem räudigen Leben jemanden hatte, der mit ihm, dem Wolf tanzt, beschloss daraufhin, sein Glück mit lukrativen Geiselnahmen zu versuchen. Immer, schon damals in seiner Kindheit, als Willibald noch der kleine Willi war und als Willi bald hier und Willi bald dort zuschauen musste, wenn die anderen mit geilen Wölfinnen singend ausgingen, triefend ausliefen und zusammen um leckere und knusprig rohe Ziegenfüße tanzten und sich gegenseitig schöne Ziegenköpfe und zarte Geißlein-Geiseln, welche sie gefangen hatten und wegen Überschreitung des Haltbarkeitsdatums kein Lösegeld erhielten, in den blutleeren Rachen schoben, bis endlich durch hausgemachte Innereinen die ganze breiige Schweinerei zum blutigen gegeißelten schweinischen Einheitsbrei in lachenden Rachen, welche auf krachenden Knochen die goldgelben Zähne darauf solange verbrachten, bis die schlabbernden schnappenden lechzenden Lefzen vor lauter Krachen das Lachen im wölfischen Halse stecken blieb und zusammen mit dem ehemals blühend blutigen Leben um Vergebung und Beendigung der knöchrigen Angelegenheit baten. Dann marschierten sie mit dem Spaten durchs Moor und erzählten von ihren spaßigen Moritaten.
Willibald Wolf, der willige Wolf mit dem einzelnen knurrenen Magen und unzähligen geknurrten Fragen war manchmal froh, wenn ihn sein einzig bester Freund, der ebenso einsame Wolfisch Moby Dick mit dem dicken Arsch, ein naher Verwandter von Wolfbarsch Wolfgang dem Vollbärschigen, besuchte. Doch seit der ziegenbärschige Wolfisch, ein naher Verwandter des Walfisches und entfernter Bekannter des schnurrbärschigen Wolfbarsches Wolfgang der Backenbärschige, aber eben ein Wolfisch und kein glattrasierter Wolfbarsch im spiegelglatten Watt, in Walhalla während eines Landgangs zu Grabe getragen wurde, hat Willibald Wolf gar niemand keinen überhaupt nicht mehr, mit dem er sich ein kühles Gläschen Wolfram-Iridium Legierung hinter die Kiemen oder auf den Riemen, welcher den Wolf mit der Rute zur ziemlich beschämend schemenhaften Wolfsrute verbindet, schütten oder auf ein Stündchen die Sorgen des Alltags bei einer Runde Wolf-Fühlen oder Im-Dreck-wühlen vergessen kann.
Doch auch Willibald hat nun endlich, nach Jahren des Hungerns, sein kleines Stück Glück gefunden. Sieben kleine feine Geißlein, große Geißeln der Menschen und doch nur ein kleiner feiner hauchdünner Schnitt durch die Menschheit, haben jetzt beschlossen, dem armen warmen Wolf Gesellschaft und Geiselhaft zu leisten. Alle sieben Geißlein wollen sie Freunde auf kurze Lebenszeit vom alten kaltwarmen Wolf werden, seine verrosteten müden Kiefer wieder auf Vordermann bringen, ihn wieder einmal richtig waschen und mit allerlei ausgesuchten Leckereien aus ihren hausgemachten dampfenden Innereien füttern. Denn Willibald Wolf hat die sieben Geißlein zu sieben glücklichen Geiseln gemacht. Nun sitzen sie alle zu früher Stunde in trauter Runde und warten gefesselt und geknebelt auf die mahlenden Mühlen, welche Fleisch zu Fleisch faschieren. Endlich hat auch Willibald Wolf das bekommen, was er schon lange verdient hätte. Sieben kleine dampfend duftende luftig weichgedrehte augenverdrehende Spielkameraden, welche ihn so richtig glücklich und zufrieden machen. Rundherum hat er sich herzzerreißend und herzzerbeißend von seinen sieben Geißlein verabschiedet, sie eine nach der anderen im Kreis und im Schraubgewinde geschwind gedreht, durch die Mangel genommen, immer eine plagende Geißlein-Geisel nach der anderen darf wandern im schnell drehenden Kreisel voller metallener kleiner Zähne. Hui, wie dreht sich das Rad der Geschichte schnell und verschlingt ruckzuck ein Geißlein nach dem anderen, spuckt Blut und hausgemachte Innereien von glücklichdampfenden Geißlein entzweien. Immer tiefer wandern die dummen Ziegen im metallenen Magen von Willibald Wolf Richtung Wolf-Behagen. Noch ein kleines Schlückchen irisierendes Wolfram-Iridium auf nüchternen Magen. Ein Schlückchen in Ehren kann jetzt niemand mehr verwehren. Es knirschen die Knochen, kommen zögerlich durch die Metallschnecke gekrochen, es tropfen die zur Ader gelassenen verblassenden Geißlein, es schnalzen die Sehnen, erstarren im Dehnen, es blickt von vorn durch zahlreiche Öffnungen der Schnitter. Der Vorhang fällt, selbst dem Tod ist das Gemetzel zu bitter.
Jetzt ist Willibald Wolf, der alte arme warme satte Wolf wieder einsam. Aber satt ist er, der am liebsten mit dem Schatten vom Wolf tanzt, weil nach dem Schlückchen in Ehren sollst Du dem Totentanz Dein Händchen nicht verwehren. Die sieben Geiseln sind tot und Willibald kann endlich wieder in Ruhe mahlen. Im Leerlauf laufen die Geschäfte mehr schlecht als recht. Diese sieben Geißeln der hungrigen Wölfe, endlich mausetot, ziegentot. Und der große kleine Willi kann endlich beruhigt auf Mutter Geiß warten. Seine Lebensabschnittspartnerin, deren letzter großer Wurf aus sieben entzückenden Geißlein bestand, deren letzter Lebensabschnitt wohl demnächst gekommen sein dürfte. Natürlich weiß Mutter Geiß noch nichts von ihrem kleinen Stück Glück. Aber was Mutter Geiß nicht weiß, macht Willibald den Wolf jetzt schon ganz schön heiß.
Und wenn sie nicht geborgen sind, dann kleben sie noch heute. An Willibald Wolf, dessen Wolfram-Iridium Legierung langsam abblättert.













